DANIEL BASTIJANČIĆ

“Wein-Eisenbahnmosaik eines Biodynamikers der verliebt ist in Traktoren”


Željko Garmaz – Interwiev mit dem Innhaber des Winguts Daniel Bastijančić


Die erste Begegnung mit Daniel Bastijančić hatte ich vor einigen Jahren im Rovinjer Stadtviertel Borik. Ich hatte von ihm und seinen ekstremen Spielchen mit der Malvazija und Teran gehört, also bat ich um ein Treffen, zu dem er eine seiner Kostbarkeiten mitnehmen sollte und mir den Einblick in seine Welt ermöglichen sollte. Ich hatte noch nicht mal geschaft zu fotografieren, er kam aus dem Dunkel und entschwand genau so schnell wieder in die Dunkelheit hinein. Er drückte mir die Flasche seiner Malvazija Lunika in die Hand, fast ohne sein Moped anzuhalten.

– Warte bis der Teran bereit sein wirdfür die Flasche, das wird eine Bombe. Wir sehen uns auf dem nächsten Vinistra- Festival, sprach er und verschwand.

Das nächste Mal trafen wir uns auf dem „nächsen Vinistra-Festival“ und ich muss gestehen ich war überrascht, dass jemand so alternatives sich überhaupt gewagt hat einen Stand zu mieten und sich unter die konvenziellen Erzeuger zu stellen, auf eine Veranstaltung, die eigendlich nicht der Ort ist wo mann zum Beispiel seinen Teran vorstellt, der vorher ein Jahr auf der Maische lag. Noch mehr hat mich seine Verwunderung gewundert, dass so ein Wein nicht die Markterlaubnis vom Kroatischen Weininstitut bekommen hat. Ehrlich gesagt, ich glaubte das Daniels Enttäuschung von längerer Natur sein würde und dass alles hier enden würde in einem misslungenem Versuch von etwas anderem Weinerzeugen.

Aber unser drittes treffen bat mir einen vollkommen neuen Daniel Bastijančić. Keine Spur von Enttäuschung, Misserfolg…sogar so viel Optimismus und positive Energie habe ich schon lange nicht bei einem Winzer angetroffen, der sein Geschäft nach vorn bringt und ständig erweitert.

– Ich bin sehr zufrieden mit der Enticklung meiner Weingeschichte und sie geht auf jeden Fall in gute Richtung. Bei uns sind die Leute etwas skeptisch, wenn man von Kategorien spricht wie: „bio/öko/organisch“, von wegen – „das ist alles Mogelei“ und nicht selten kann mann solche Komentare von Kollegen, Winzern hören. Diese Art von Erzeugung kann ja jeder versuchen, aber nich jeder wird erfolgreich sein. Weil, nicht alle haben eine Lage die ihnen das ermöglicht. Ich habe, zum Beispiel, das ganze Jahr 2018, nur mit vier Weinbergbehandlungen durchgehalten!!! Zwei vor der Blüte und zwei nach der Blüte. Das ist unsere Story.

Aber Daniel, was ist inzwischen mit dir passiert? Du bist doch noch vor wenigen Monaten auf der Vinistra so enttäuscht gewesen, dass ich Sorge um deine Gesundheit hatte?

– Ehrlich gesagt, ich habe in der Herstellung nichts verändert, auch weiterhin bestehe ich auf Weinen ohne Schwefel, obwohl es schwer ist sie auf den Markt zu bringen, da hat sich wiederum nichts geändert. Es scheint ich habe gelernt geduldig zu sein. Ich habe auch bemerkt dass diese Weine immer mehr Aufmerksamkeit beim Publikum erwecken, auch außerhalb von Istrien. Hier haben Sie die Daten von meiner Malvazija, die besagen das sie nur 12 mg/l Sulfite beinhaltet und alle die das gesehen haben, konnten ihren Augen nicht trauen!!! Mir ist nicht schwer gefallen diesen Wein etwas anders handzuhaben, also machte ich einen Test auf Oxidation und flüchtige Säuren, das heisst, ich wollte sehen wie lange so ein Wein an der Luft aushällt, in einem offenen Gefäß vom halben Liter. Zwei Tage war der Wein hervorragend und das auf 25 Grad in der Küche!!! Erst am dritten Tag fing der Wein an Qualität zu verlieren, am 4. noch mehr und erst am 5. Tag war er nicht mehr gut. Das Problem ist, dass Leute so einen Wein bewerten nach seinem Bild nach 5 Tagen in der Karaffe. Macht nichts, ich gehe volle Kraft vorwärts und werde dieses Jahr mein Maximum herstellen, so rund 12000 Flaschen.

Und was ist mit dem Teran den du ein Jahr auf der Maische gelassen hast?

– Alle die ihn gekostet haben, glauben dass er erst in 2 Jahren top sein wird, doch ich habe ihn schon auf den Markt gesetzt, da einige Gastonomen ihn verlangt haben.
Obwohl die Familie schon über 100 Jahre Wein produziert, dabei vorwiegend offenen Hauswein, ist der Name Daniel Bastijančić aus dem istrischen Ort Brajkovići ein ganz neuer Name auf der kroatischen Weinszene.
Und er schlug ein! Und wie, mit einer Malvazija von fast 200 Tagen Maceration. Daniel ist entschlossen keine komerziellen Industrieweine zu machen, daher werden seine Tröpfchen in kleinen Serien von meist 2000 Flaschen hergestellt.

  • Viele fragen mich, wie ich so lange auf einen Wein warten kann. Die Antwort ist einfach: das Potential meiner ersten Lese war so groß, eigendlich enorm, das ich unbedingt das Maximum aus ihm herausholen musste, sonnst wäre es Weinverschwendung geworden. Wir haben Ende Oktober gelesen, hatten nur zwei Trauben pro Stock und hatten so um die 20 Zuckerrade. Das war Fenomenal. Wegen so einer Ernte zahlt es sich aus noch etwas zu warten und ich konnte keinen besseren Eintritt in die Weinszene träumen, sagt Daniel Bastijančić.

Das Weingut nannte er LUNIKA, das ein Akronym aus den Namen seiner Töchter Lucija und Anika darstellt, aber Daniel meint mit dem Namen auch den Mond und Biodynamik. Eigendlich, bei seiner ersten Weinpräsentation im Restaurant Viking im Limfjord, hatte er ausdrücklich betont dass seine Weine keine zugegebenen Sulfitte beinhalten.

  • Ich habe mich dafür enttschieden, weil jeder Wein beinhaltet schon in kleinen Mengen seine natürlichen Antioxidanten, auch natürlichen Schwefel, der so in der organischen Weinproduktion erlaubt ist. Den Traubenselbstschutz bekommt man mit gesunder unbehandelter Frucht, langen Macerationen und etwas höherem Alkoholgehalt. Mein Malvazija war auf der Maische 190 Tage. Ein sehr extremes Beispiel. Ich glaube dass nur das Weingut Kabola bei uns eine längere Maceration ein mal versucht hat und die halte den Wein in Amphoren. Nun, aus der Erfahrung verwundert zunächst dass meine Malvazija eine gelb grüne Farbe mit goldenen Reflexionen behalten hat. Meine Malvazija Lunika ist nicht „orange“ will sie eben in einem Stahltank reifte. Aber vielecht mache ich es bei der nächten anders, erzählt Daniel.

Nach seinen Worten, begann sein Urgrossvater 1915. die ersten Weinstöcke zu pflanzen „und fand alle möglichen Mittel und Wege um an Stecklinge zu kommen.“ So entstand auch der Weinberg auf 2,45 ha in dem 45 % Malvazija gepflanzt wurde, der Rest mit Gelbem Muscat, Schwarem Muscat, Teran, Borgonja, Pinot Griggio und Cabernet Sauvignon.

  • Wahrscheinlich bin ich der einzige in Istrien der den ursprünglichen Schwarzen Muscat im Weinberg hat. Die Geschichte ging los 1984. als jemand im Agronomie Institut in Poreč gehört hat, dass wir wohl irgend so einen komischen Muscat hier haben. Damals kam der Institutsvorstand und bat meinen Vater ob er ihnen die komplette Ernte verkaufen könnte und mein Vater stimmte ohne groß nachzudenken zu. Daraus machten sie dann einen Spitzenwein und das nächste Jahr kamen sie wieder, doch diesmal um Stecklinge aus der Pflanze zu holen, woraus sie bei sich ein ganzes Vermehrunsfeld gemacht haben und Stecklingsschule und registrierten die Weinstöcke als Rosen Muscat von Poreč.
    Aber das ist genau der Schwarze Muscat aus unserem Weinberg. Nur sind deren Klone wohl etwas schwach geworden, denn deren Rosen Muscat ist nicht von dieser Qualität wie mein Schwarzer Muscat.

Daniel geht alles mit Leidenschaft an und nur wegen seiner maniakalen Liebe zu schnellen Rellyautos hat er nicht früher zum Wein gefunden.

  • Nun, ich bin grad 40 Jahre drüber, hab gerade mit dem Wein angefangen und im bisherigen Leben habe ich sicherlich zwei komplette Weingüter auf Sportautos verbraucht. Das ist ein teurer Sport und momentan habe ich das Geld in den Hof umgeleitet. Wenn das Weingut gewachsen ist und etwas abwirft, hoffe ich wieder starke Maschienen anzuschaffen.

Daniel sagt das ihm Subaru Impreza STI ans Herz gewachsen ist und das ist das erfolgreichste Modell in der Rellywelt.
So findet sich Daniel Bastijančić in renomierter Gesellschaft von Fahrern wie Colin McRae, Richard Burns i Petter Solberg, die in dem selben Modell Rellyweltmeister geworden sind, in dem die Frau von Daniel als Beifahrerin ein Loch in den Boden gebremst hat.

  • Als das passierte, wurde mir klar das die Zeit gekommen ist einen Wechsel im Fuhrpark vorzunehmen und ein etwas normaleres, weniger starkes Auto anzuschaffen. Ehrlich gesagt, ich war gar nicht so wild, nur die Autos waren mit ihren 300 PS so stark und man hörte sie schon kilometerweit als ich sie anschmiss.

Er ist schon 14 Jahre lang Kommandant der örtlichen Freiwilligen Feurwehr und stolz verkundet er nun seine andere Liebe – die Traktoren. Daniel bekennt Traktoren sind seine wunde Stelle.

  • Bin regelrecht verrückt nach Traktoren. Wenn ich irgendwas mit dem erledigen muss, steige ich den ganzen Tag nicht von ihm runter. Ich esse drin, mach Nickerchen wenn nötig. Momentan habe ich einen Goldoni von 80 PS und der ist speziäll für den Weinbergsarbeiten gebaut. Wenn ich jetzt zu großem Geld kommen würde, wäre der Fendt von 500 PS sofort hier. Alle fragen mich wofür ich ihn denn brauchen würde und ich sage: ja zum rumfahren! Diese Fendts sind die Perfektion der heutigen Technik. Es gibt nun Fotos auf Facebook wo schöne Mädchen sich neben solchen Traktoren heiß fotografieren lassen, weil sie bemerkt haben das diese mehr kosten als große BMW.

Es ist faszinierend wie Daniel es schafft seine Jugendträume am Leben zu halten, aber auch seine Jungenhaftichkeit lebt.
So ist es eben undenkbar dass er nicht jeden 1. Mai im Jahr an der Weltmeisterschaft im Plufismus im Limkanal teilnimmt.

Für die, die es nicht wissen, und dass sind alle die nicht in diesem Teil Istriens leben, Plufismus ist das Benoten von „pluf“ , „plaf“ , „plif“ Geräuschen das ein Stein beim Aufprall auf das Wasser macht. Plufismus hat Daniels Freund Mladen Sošić erfunden, bekannter als Tralalai.

  • Als Kinder haben wir Kühe gehütet und haben uns die Zeit vertrieben mit Steinewerten auf Teiche, wobei wir darin wetteiferten wessen Steind das schönste Geräusch (pif, paf, puf) beim Aufschlag auf die Wasseroberfläche machen würde. Und so ist es nun bei unserer Weltmeisterschaft, die Werfer schleudern die Steine und das Publikum entscheidet welcher Sound besser war.
    Als er seine Weingeschichte auf stabile Beine aufgestellt hatte, übertrug er seine Verspieltheit auch auf die Etiketten seiner Weine.

Dabei erzählte er damit die leidenschaftlichste und schönste Liebesgeschichte, die er zur Eisenbahnstrecke die einst seine Weinberge streifte gewidmet hat. Von 1876. bis 1966. fuhr von Rovinj nach Kanfanar eine Zugkomposition genau an seinem Hof und Grund in Brajkovići vorbei.

– Lange haben wir nachgedacht, wie sollen wir unser Weingut und die einzelnen Weine nennen, damit sie auch merkbar bleiben. Zunächst schafften wir ein Brand – Lunika, den wir aufgebaut haben auf den Akronymen von unseren Töchtern, aber auch an der Beziehung zum Mond und seiner Bedeutung in der Biodynamik, die wir verwenden. Zum Schluss, Lunika bedeutet auch die einzige, einzigartige.
Dann wollten wir das die einzelnen Weine erkennbar werden und nicht nur nach der hohen Qualität. Dabei kam uns die Geschichte unserer Gegend zu Hilfe zusammen mit der Geschichte der Eisenbahn die lange nicht mehr fährt, aber neben der wir unsere Jugend verbracht haben. Diese Strecke war bekannt unter dem Namen „La linea“, also nante wir unsere Firma „Unter der Linie – Pod Liniju“, weil unsere ganzen Ländereien sich buchstäblich unter der ehemaligen Linie befinden, d.h. unter der Trasse der verlassenen und vergessenen Schienen.

Dann hatt jemand aus dem staubigen Archiv des Ethnologiemuseums von Rovinj die romantische Geschichte von einem Engländer und einer Istrianerin ausgegraben, die eben auf der Strecke von Kanfanar nach Rovinj passiert und entflammt ist. Jeder unserer Etiketten ist ein Teil dieses Eisenbahn-Weinmosaiks und die Namen reihen sich ein wie Kettenglieder einer Kette, die alles verbindet. Prima volta, Viaggio lungo, Mi fior, Stazion, Tender, Regalo, Carbun, Sorpresa, Ritorno, Machinista!

–          Den ersten Wein, die basische

Malvazija, nannte ich Prima Volta, „das erste Mal“, weil jemand das erste Mal in Kanfanar in den Zug stieg und auf Reisen ging Richtung Rovinj. Auf der Strecke gibt es auch Stazionen, wie Okreti, Sošići und Rovinjsko Selo. Stazion ist der Name für die zweite Malvazija und die dritte nannte ich „Viaggio Lungo“ , die Lange Reise, aber ich werde auch eine vierte Malvazija haben, „Ritorno“, der Rückweg und das wird eine Malvazija die im Holzfass reift. Ein junger Mann bringt seiner Liebsten nach Rovinj eine Blume, „Mi Fior“, das ist ein Borgonja, kupferfarbener Rosé. All das wäre nicht möglich ohne „Carbun“ (Kohle) und dem „Tender“ (Kohlewagen), wie ich meine beiden Teran gennant habe. Ankommen in Rovinj ist eine „Sorpresa“ (Überraschung), unser Schwarzer Muscat, Überraschung für den Reisenden, aber auch für jeden Weinliebhaber, während wir für einen uns lieben Menschen ein Geschenk mitbringen von der Reise, ein „Regalo“, wobei es sich von einem gelben Muscat handelt. Die ganze Komposition wird vom „Machinista“, dem Lockführer geleitet, und der ist – Pinot Griggio.

– Also, was hat dich zu diesem Ansatz zum Wein gebracht?

– Früher hat man nur so Weingemacht! Einst waren alle nur ökologische Winzer. Anderseits, wenn ich Müdigkeit oder Unruhe verspüre, dann gehe ich einfach mal da runter, uner die Linie in den Weinberg. Da unten passiert sofort etwas besonderes und ich fühle mich besser. Mir gab immer der Weinberg ein Signal, ich sollte ihn in die Flasche bringen. Das ist es was mich bewegt hat, alles was wir im Weinberg machen, wird zu Wein und da endet die Geschichte.

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